Verbogen

krummer Schatten
krummer Schatten?

Dass sich meine Wirbelsäule irgendwie verändert hat, habe ich vor ungefähr zehn Monaten gemerkt, bzw. nicht ich, sondern eine Kollegin hat mich beim Gang in die Kantine gefragt, was ist los, hast Du Magen- oder Rückenschmerzen, Du läufst krumm! – Nein, ich hatte keine Magenschmerzen, auch keine Rückenschmerzen, ich selbst habe nichts bemerkt. Ich saß eben den ganzen Vormittag in gekrümmter Haltung am Computer und auch beim Gehen war ich noch gekrümmt. Zu Hause habe ich mich dann vor den Spiegel gestellt und mich aufmerksam und kritisch betrachtet. Stimmt, ein wenig mehr nach rechts gebeugt war ich schon. Komisch, war mir gar nicht aufgefallen. Oder, ganz ehrlich, ich wollte einfach nicht, dass es so war. Aber wenn ich zurückdenke, dann habe ich genau diesen Gedanken auch schon mal gehabt: Sieht irgendwie schiefer aus, die ganze Haltung, habe diesen Gedanken aber sofort wieder verdrängt.
Weil, was nicht sein darf, kann nicht sein.

Ich wage jetzt mal ein Gedankenspiel:

Beginn der Krümmungsverschlechterung: eventuell November 2011. Damals hatte ich drei Monate andauernden Kummer, der mich Tag und Nacht beschäftigte. Ich habe die Gymnastik vielleicht ein ganz kleines bisschen vernachlässigt – wenn überhaupt –, das Schwimmen aber nicht. Im Gegenteil. Das war in meiner damaligen Lage eine gute Therapie. Ich habe etwas weniger gegessen, die Nährstoffzufuhr (Calcium, Vitamin D, was ja wichtig für die Knochen sein soll), war wohl etwas eingeschränkt, aber daran konnte es nicht ausschließlich liegen, oder?
Die Situation war die: Mir ging es nicht gut, seelisch, ich war geknickt. Der Auslöser für diese psychische Disposition war ein privater Umstand, der mich in eine enorme emotionale Schieflage brachte. Ja, in eine Schieflage, die sich mit der Zeit auch optisch bemerkbar machte. Kann so was sein? Der von mir im Rückblick angenommene Zeitpunkt der Wirbelsäulenverschlechterung fiel auf jeden Fall mit einem ständigen Gefühl der Demoralisierung zusammen, ich könnte auch eine Metapher dafür verwenden: Mir wurde fast das „Rückgrat gebrochen“. Aber nur fast. Doch krummer ist es geworden. Das reicht auch.

So jetzt noch zwei passende metaphorische Begriffe zum Schluss:
Ich will mich nicht mehr „verbiegen“ lassen. Ich werde „Rückgrat zeigen“!
So ein Klischee!

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