Sichtbar

Bin wieder zurück aus Sylt. Und bin auch gleich wieder bei meiner Physiotherapeutin gewesen. Sie ist keine Schroth-Therapeutin, aber durch ihre jahrzehntelange Erfahrung macht sie mit mir Übungen, die sehr in die Schroth-Richtung gehen. Und die tun meiner Wirbelsäule gut, das spüre ich. So, langer Rede, kurzer Sinn: Sie hat sofort gemerkt, dass ich während meines Sylt-Aufenthaltes auf die Gymnastik-Übungen verzichtet habe (wovon sie aber gar nichts wusste). Dass ich – nicht aus Faulheit, sondern, weil ich die Gymnastik durch das Am-Strand-Laufen ersetzt habe – die Übungen für den kurzen Zeitraum ausgesetzt habe. Ich war überrascht. Mir war nicht ganz klar, wie man nach nur einer Woche Gymnastik-Verzicht eine Veränderung bemerkt. Frau A. meinte, die Muskulatur verändere sich, die Kraft, die Haltung. Diese Erkenntnis ist ein so offensichtlicher Beweis für die Wirksamkeit der Gymnastik. Jetzt verstehe ich auch oder zumindest glaube ich zu verstehen, was mein großartiger Physiotherapeut aus Isny meinte, als er von „Stabilisation“ sprach, wenn er die Übungen kommentierte.

Jetzt möchte ich es aber doch wissen, was genau mit der Muskulatur und was genau mit der Wirbelsäule passiert, während ich übe. Ich muss mich schlau machen, denn schließlich soll dieses Wissen um die eigene Wirbelsäule, um den eigenen Körper kein Herrschaftswissen sein, beziehungsweise kein Therapeutenwissen, von dem der eigentlich Betroffene ausgeschlossen wird, aus welchen Gründen auch immer. Das sagt eben auch Christa Lehnert Schroth (Tochter von Katharina Schroth) in ihrem Buch „Dreidimensionale Skoliosebehandlung“:

„Zur Behandlung einer Skoliose gehört als unerlässlich wichtig, dass nicht nur der Behandelnde um die anatomisch-physiologischen Voraussetzungen und die Wirkungsweise der Übungen weiß, sondern auch der Übende.“

Buch zur Schroth-Therapie mit sehr vielen anschaulichen Fotos
Buch zur Schroth-Therapie mit sehr vielen anschaulichen Fotos

Ich finde das Buch großartig und ermutigend. Es erschließt sich einem nicht immer gleich (also zumindest mir nicht) bei der ersten Lesung, man muss sich erst einarbeiten und Geduld haben und gegebenenfalls einen Satz dreimal lesen, bis man den Inhalt versteht, beziehungsweise bis man die Theorie, die hinter der Praxis steht, begreift. Es sind wirklich tolle Fotos: realistisch, von richtigen skoliosebetroffenen Menschen, vor der Schroth-Behandlung und nach der mehrwöchigen Therapie. Selbstverständlich sieht man die Skoliose immer noch, denn so ist es eben, aber die Haltung hat sich verändert, es hat eine Aufrichtung stattgefunden. Und die gibt es nicht von alleine. Diese optische wunderbare Veränderung bedeutet üben, üben, üben und noch mal üben. Während ich das jetzt hier schreibe, denke ich , dass ich eigentlich jetzt auch üben sollte, aber das mache ich dann anschließend. Ich spreche jetzt nur von der Optik. Ich weiß, dass viele Skoliose-Betroffene Schmerzen leiden,  aber zu diesem Thema kann ich nichts sagen, ich habe keine Schmerzen. Aber so wie ich die Schroth-Therapie verstanden habe, soll sie auch ein Schmerztherapeutikum sein.

Muskelzylinder mit Ball
Muskelzylinder mit Ball
Muskelzylinder (so heißt diese Übung)
Muskelzylinder mit Hocker
Übung: angeschnallt an der Sprossenwand zwischen zwei Stäben; schreckliche Übung aber wirksam
Übung: angeschnallt an der Sprossenwand zwischen zwei Stäben; schreckliche Übung, aber wirksam

Ganz ehrlich: Die Schroth-Übungen sind nicht attraktiv, nicht schön, außerdem langweilig, weil sie so statisch sind. Aber eben so wirksam. Gerade habe ich beschlossen, ein richtiger Schroth-Meister zu werden. Am liebsten wäre mir ein Mitturner, dann könnte man sich gegenseitig korrigieren und motivieren. Und hinterher gibt’s ein Kaltgetränk.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.