Schroth

16.10.

17.22 Uhr

Gestern saß ich mit meiner Freundin G. im Café bei Croissants und Doppio bzw. Latte macchiato. Sie fragt mich, was ist eigentlich Schroth? Wie geht das? – Stimmt, ich setze immer voraus, dass das jeder weiß, zumindest sollte es jeder wissen, der eine Skoliose hat (G. hat keine Skoliose). Aber das ist wahrscheinlich gar nicht der Fall. Ich bin vor ein paar Jahren auch nur durch Zufall drauf gestoßen, keiner von meinen damaligen Orthopäden hatte mich darauf aufmerksam gemacht, wahrscheinlich aus Unwissenheit. Ebenso meine damalige Physiotherapeutin. Auch sie kannte die Schroth-Methode nicht wirklich. Trotzdem hatte irgendwie schon mal jeder irgendwas vage darüber gehört … Ich bin im Internet auf Schroth gestoßen, damals, vor sechs Jahren. Ich habe mein oberflächliches Schroth-Wissen dann vertieft, suchte einen der wenigen Skoliose-Spezialisten in München auf, und  er empfahl mir einen Aufenthalt in Bad Sobernheim, aber gelandet bin ich dann in Isny, und das war gut so. Dort habe ich dann die Schroth-Methode, genauer: die dreidimensionale Skoliosebehandlung – Atmungsorthopädie System Schroth“ intensivst kennengelernt. Katharina Schroth, die Begründerin der Methode, selbst Skoliose-betroffen, kam zu der Erkenntnis – ich zitiere mal aus dem Buch ihrer Tochter Christa Lehnert-Schroth:

„Sie (Katharina) hatte nichts als Sehnsucht … gerade zu werden … Ein Gummiball mit einer Delle, die durch Luft herausgedrückt werden konnte, brachte die Idee und festigte den Entschluss, nach diesem Prinzip ihren Körper zu verändern. Diese Delle im Gummiball ist im Vergleich die konkave Seite bei der Skoliose. Diese Erkenntnis brachte sie dazu, ihr konkave Körperseite ebenfalls mit Luft zu füllen, indem sie in diese hineinatmete. Schöpferische Fantasie, methodisches Denken und beharrliches Arbeiten brachten bald die ersten Erfolge … Rechts in der Mitte befand sich bei ihr der Hauptrippenbuckel. Er flachte sich bei dieser gezielten Atmung in die linke Seite gleichzeitig ab …“ (aus: Dreidimensionale Skoliosebehandling/Christa Lehnert-Schroth)

Die Technik ist im Grunde ganz einfach: Man atmet bewusst ins – ich sage mal Tal oder Loch dazu – Tal hinein und macht gleichzeitig unterschiedliche spezifische Übungen. Nicht kompliziert, aber trotzdem sehr, sehr anstrengend. Die falsche, schiefe Haltung soll auf diese Weise aus dem Bewusstsein gestrichen und das Gefühl für eine bessere, aufrechtere Haltung stabilisiert werden. Ergebnis: gefühlsmäßige Aufrichtung und Streckung, Verbesserung des Körperempfindens. Natürlich weiß ich nicht, ob Röntgenstrahlen dieses Empfinden der Streckung dokumentieren können. Ich glaube eher nicht, aber darum geht es auch gar nicht, sondern um eine positive, schmerzfreie Körperwahrnehmung. Und die kann ich bestätigen.

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Hier auf diesem Bild sieht man mein „Tal“ (linker Lendenwirbelsäulenbereich). Und genau da muss ich hineinatmen. Und beim Ausatmen die rechte Seite anspannen, also „raffen“, wie es bei Schroth heißt. So wird die Wirbelsäule in Form gebracht.

Übung mit Schroth-Atmung
Übung mit Schroth-Atmung

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